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Naht dem Ballermann auf Mallorca das Aus?

Panic at the Discoteque: Naht dem Ballermann auf Mallorca das Aus?

Schon vor 5 Jahren zwitscherten es die Spatzen von den Dächern: Der Ballermann, wie er seit Jahren an der Playa de Palma auf Mallorca besteht, stehe vor dem unmittelbaren Aus. Lediglich mit einer Schonfrist von wenigen Jahren seien die Feierfreunde dort noch erwünscht. Dann gehöre der Name sowie die Assoziation mit Strandpartys, Sangria und manchmal auch dem ein oder anderen Exzess endgültig der Vergangenheit an. Was war passiert?

„Señor Benimmregel“

Ein Name, der gerade unter deutschen Touristen auf Mallorca zur Genüge bekannt ist, ist Alvaro Gijón. Der Politiker der konservativen Partit Popular setzte sich Zeit seiner politischen Ämter auf Palma de Mallorca dafür ein, dass an der Playa Recht und Ordnung herrscht und sich die Pauschaltouristen an die örtlichen Gepflogenheiten halten. Zu seinen Werken gehört zum Beispiel ein Alkoholverbot an der berühmten Schinkenstraße, das zunächst 2013 zwischen 22 und 1 Uhr verhängt und kürzlich auf die gesamte Zeit zwischen April und September ausgeweitet wurde. Doch damit nicht genug. Der Politiker steht gleichzeitig auch für ein riesiges Umbauprojekt, das die gesamte Strandpromenade umgestalten soll – in ein Areal für Luxustourismus.

Champagner statt Bier

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Wie aber passt das zusammen? Partytouristen, die zu Ballermann-Musik in der Hitze braten und reiche Unternehmer, die mit Frau und Portmonee die Stille und Schönheit der Balearen genießen. Die Antwort ist: gar nicht. Mit dem Bau neuer Luxushotels und dem Aufwerten der bestehenden Bettenburgen soll der Partytourismus ein für alle Mal der gehobenen Gesellschaft weichen. Wie so etwas aussehen könnte, zeigt bereits heute der Puro Beach,  bei dem in Ballermann-Nähe mit „Wohlbefinden und Glücksseligkeit“ geworben wird.

Das letztliche Ziel der Investoren ist es, die Playa de Palma an High-Society-Hochburgen wie St. Tropez oder Las Vegas anzugleichen. Da muss sich der typische Ballermann-Urlauber in Zukunft genau überlegen, wie er sich dort noch sehen lassen kann. Zumindest Las Vegas ist sehr bekannt für seine vielen Casinos und auch Gijón sprach schon 2013 von einem geplanten Touri-Casino, in dem „um Tausende gespielt wird“. Wer dort nicht auffallen will, sollte sich durchaus vorher einmal online den Betway Casino Guide angesehen haben. Wobei eh die Frage bleibt, ob Deutsche überhaupt zur Zielgruppe zählen. Denn zur zukünftigen Spielgesellschaft hoffen die Verantwortlichen in Zukunft vor allem auf Gäste aus China und Dubai.

Im Sommer kann Mallorca heiß werden

Generell herrscht in Mallorca seit spätestens 2013 eine angespannte Stimmung, die sich auch in dieser Saison nicht abkühlt. An den Stränden mag man es vielleicht, abgesehen von den vielen Baustellen, nicht merken, doch unter der Oberfläche ist es am Brodeln. Im Juni 2017 wurden Untersuchungen publik, die gegen Gijón und mehrere seiner Verwandten geführt wurden. Der Vorwurf: Korruption und politische Einflussnahme gegen diverse Gefälligkeiten. Gleichzeitig jagt bis heute ein Beschluss der Inselregierung den nächsten.

Anfang letzten Jahres wurde erst beschlossen, die lizensierte Bettenanzahl von knapp 600 000 auf 435 000 zu reduzieren. Zusätzlich droht aktuell ein Streit zwischen der Regierung und der alteingesessenen Party-Location Mega-Park an der Playa de Palma zu eskalieren. Auch dessen Chef Bartolomé Cursach sitzt momentan im Gefängnis, während der Lokalkomplex droht, geschlossen zu werden. Aufgrund eines Rechtsstreits um eine Baugenehmigung im Zusammenhang mit einer Zusammenlegung von Party- und Restaurantbereich, sind aktuell hunderte von Arbeitsplätzen sowie der Traditions-Tanztempel in Gefahr.

Die Gefühle kochen dabei gewaltig hoch: Während die Mitarbeiter auf der einen Seite seit Ende März vor dem Rathaus gegen eine Schließung protestieren, gilt diese auf Seiten der Regierung offen als politisch gewünscht. Der letztliche Beschluss der Stadt Palma de Mallorca sieht vor, dass 50% der Fläche des Mega-Parks geschlossen werden müssen. Auch dagegen finden momentan auf der Insel Proteste statt. Inzwischen hat die Saison wieder begonnen und der Partytempel hat seine Pforten für Partywillige geöffnet.

Die Zukunft der Insel

Insgesamt beginnen die Bemühungen der regelverliebten Inselregierung langsam Form anzunehmen. Die ersten neugebauten Luxushotels wachsen aus dem Boden, der Platz für Party-Touristen wurde reduziert und die verschiedenen Verbote, sei es von Musik im Außenbereich, von Alkoholausschank und -konsum auf der Straße in der gesamten Sommersaison oder von Partylocations, die aufgrund individueller, politischer Interessensdurchsetzung (teil-)schließen müssen, tun ihr Übriges.

Dennoch hat die neue Saison auf der „deutsche“ Partyinsel im Mittelmeer begonnen und wieder fließen die Touristen in die Hotels entlang der Playa de Palma. So schnell wird das Bild sich vor Ort also erst einmal nicht wandeln, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Stimmung am Strand und in den Diskotheken stimmt und die Dekrete der Regierung in der Praxis erfahrungsgemäß nur eingeschränkt durchgesetzt werden. Musik, Tanz und Gesang wird es auf Mallorca also noch in Zukunft geben. Und wenn nicht, dann bietet die Insel auch im Frühjahr, abseits der Saison sowie im Herbst diverse Möglichkeiten, die Schönheit der Perle des Mittelmeers zu bewundern.